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„Der Sound muss die Ohren glücklich machen“

MVFP impuls

In Interview mit PRINT&more erklärt Jutta Talley, Sprech- und Stimmlehrerin sowie Coach und Kommunikationstrainerin, worauf es beim Sprechen in Podcasts ankommt.

Podcasts bleiben Trendmedium. Immer mehr Verlage nutzen sie als Möglichkeit, Themen zu besetzen und vielfältigen Content zu verbreiten. Jutta Talley, Sprech- und Stimmlehrerin sowie Coach und Kommunikationstrainerin, erklärt im Interview, worauf es beim Sprechen in Podcasts ankommt.

PRINT&more | Podcasts sind das Trendmedium der letzten Jahre – gefühlt kommen wöchentlich neue Formate auf den Markt. Angenommen, wir möchten einen Podcast starten, was sollten wir stimmlich mitbringen?
Jutta Talley | In den letzten Jahren haben sich die Hörgewohnheiten der Zuhörenden durch die große Auswahl verändert – sie haben eine Klangerwartung. Ein Küchenplausch reicht für die meisten Podcasts nicht mehr aus. Der Sound muss die Ohren glücklich machen, damit Zuhörende bleiben. Das Schöne ist: Jeder und jede kann podcasten. Es gibt keine Vorgaben, wie eine Stimme zu klingen hat. Doch Podcasts wollen natürlich gehört werden und eine Stimme, die frei ist von 
ablenkenden Effekten, hilft dabei durchaus. 
Wichtig ist, dass einem die eigene Stimme vertraut ist. Podcaster brauchen ein Gefühl für ihr Sprechen und wie es sich in unterschiedlichen Situationen, beispielsweise bei Aufregung, verändert. Mit zunehmender Erfahrung oder einer Sprechschulung kann sich die eigene Stimme entwickeln. 

Es gibt Podcast-Hosts, die scheinbar kaum einen Sprechtipp berücksichtigen, aber trotzdem erfolgreich sind: Sie reden zu schnell, nutzen Ähms und Füllwörter, erzählen lange und ausschweifend. Wieso sind sie trotzdem erfolgreich?
Oft werden Podcast-Hosts mit »Sprechmarotten« trotz und nicht wegen ihres Sprechens gehört. Hier kann der Halo-Effekt wirken, bei dem ein markantes Merkmal der Person auf andere Eigenschaften der Person abstrahlt. Die Schwäche eines Hosts beim Sprechen wird dann von fachlicher Kompetenz oder Sympathie kompensiert. Auch der Bekanntheitsgrad 
einer Person kann ein Grund sein, warum das Nuscheln oder Schnellsprechen beliebter Hosts hingenommen oder in der Wahrnehmung sogar getilgt wird. 

Viele Menschen neigen zu einem anderen Redefluss und einer anderen Stimmlage, 
sobald sie ab- oder vorlesen. Sind Notizen bei der Podcast-Aufnahme überhaupt hilfreich oder eher hinderlich? Wie verhindere ich zu klingen, als würde ich ablesen?

Das ist ein häufig zu beobachtender Effekt, weshalb die Leselehre in professionellen Sprechschulungen eine besondere Rolle spielt. Wer frei spricht, tut dies meist intuitiv mit passen der Betonung. Deshalb ist freies Sprechen tatsächlich die einfachste Lösung, um nicht abgelesen zu klingen. Das ist gar nicht so leicht. Eine gute Alternative ist das Sprechen nach Stichwortkonzept, das zum freien Formulieren innerhalb eines sicheren Rahmens zwingt.

Was sind besondere Herausforderungen bei Interviewpodcasts oder Podcasts mit zwei Hosts?
Sprechen Hosts zu zweit, sollten sie überprüfen, ob ihre Stimmen gut voneinander zu unter scheiden sind, damit Zuhörende leichte Orientierung haben. Bei sehr ähnlichen Stimmen ist es sinnvoll, hin und wieder zu erwähnen, wer gerade spricht. Co-Hosts sind bezogen auf den Sprechstil aber oft eingespielte Teams. In Interviewpodcasts sind es in der Regel die Hosts, die sich auf ihr Gegenüber einlassen und den eigenen Sprechstil und Fragetechniken leicht anpassen.

 

Ihre Expertise teilt Jutta Talley im Rahmen des WebSeminars „Podcast-Werkstatt“ am 8. und 9. November. 

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